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Viktor Colombo: Ein Leben für die Kommunikation

Mit dem Zeitraffer durch die wichtigsten Lebensetappen 1932 – 2012. Eine Zusammenfassung in Kurzform (Red. G. Giebel)

Viktor Colombo ist Stadt-Zürcher – das hört man noch heute. Geboren wurde er am 11. Dezember 1932. Die Primar-, Sekundar- und Kantonsschule besuchte er in Zürich. Seine Lehre als Telegrafist bei der PTT hat einige Etappen seines Lebens bereits vorgezeichnet – ohne dass ihm das vonAnfang an bewusst gewesen wäre.

Die Rekrutenschule absolvierte er als Funker,einige Jahre später folgt die Offiziersschule und später die Ernennung zumHauptmann.

Als «Telegrafist ohne bestimmten Dienstort» wurde er von seinem Arbeitgeber nach Genf versetzt, wo er seine spätereFrau, Mariette - ebenfalls Telegrafistin - kennen lernte. Von Genf ausmeldete er sich auf die internationale Kurzwellen-Telefonie-Empfangsstation Châtonnaye der PTT.

Vom Telegrafist zum Funkspezialisten

Anlässlich eines Inspektionsbesuches des Chefsder Radiodienste der Generaldirektion PTT wurde er gefragt, ob er gewilltwäre, kurzfristig - gemeint war damit der folgende Montag - in Bern imSende-Konzessionsdienst zu arbeiten. So wechselte er innert weniger Tage nachBern. Ein Zimmer zu finden und zu mieten war damals kein Problem.

Sein Vorgesetzter Gruppenchef war ursprünglichein Postbeamter. Im gleichen Büro arbeitete aber auch ein Ingenieur ETH, HerrB. Delaloye, der spätere Direktor der Telefondienste der PTT. Seine Aufgabenwaren Frequenz- und Rufzeichen-Zuteilungen, Erteilung von Konzessionen fürFunkanlagen und Mitarbeit zur Abnahme von Funker- undRadiotelefonisten-Prüfungen.

Die beiden Prüfungsexperten Guldimann undBischhausen für die Technik waren begeisterte Funkamateure. Dieses Umfeldfaszinierte ihn und deshalb erwarb er schon bald den Fähigkeitsausweis fürSendeamateure und die Konzession mit dem Rufzeichen HB9MF. Weil ihn dieSeefahrt schon frühzeitig faszinierte, hat er auch die Schiffsfunker-Prüfungabgelegt.

Internationale und technische Ausrichtung

Mit den Aufgaben im Radiodienst waren auch dieFrequenzkoordination mit den Nachbarländern und der UIT (UnionInternationale des Télécommunications) in Genf sowie die Vertretung derschweizerischen und österreichischen Interessen in der Rheinfunk-Kommission,die Begutachtung von Funknetzen der Polizei, Feuerwehr, SBB, Transport- undTaxidienste hinsichtlich effizienter Frequenznutzung verbunden. Für denFunkeinsatz wurde er auch beim Roten Kreuz HBC88 und der Organisation derREGA für weitergehende Koordinationsarbeiten zur Klärung der Randbedingungenbeigezogen.

Die Anträge zur Typenprüfung für neue Funkgerätean die Versuchsabteilung brachten mit sich, dass er bei Produkteeinführungenund den Demonstrationen z.B. der ersten Flussradar- undGeschwindigkeits-Radaranlagen beigezogen wurde. Die Zusammenarbeit mit derPTT-internen Rechtsabteilung und der Funkgeräteprüfung war entsprechend eng.

Schiffsfunk in der Schweiz

1960 organisierte er auf privater Basis Schiffsfunker- und Radio-Amateur-Kurse. Da sich genügend Leute dafür interessierten, konnte er diese für die Schweiz einmaligen Kurse durchführen.Für die Vorschiften und erweiterten Morsekurse half Heinz Oswald mit, auchein ehemaliger Telegrafist aus Zürich, der einige Jahre als Schiffsfunkergearbeitet hatte. Beide haben zusammen, und später noch durch weitereBerufskollegen unterstützt, diese Kurse als Abendschule während 25Jahren in der Freizeit erteilt. Die Einführung des vollautomatischeninternationalen See- und Sicherheitsfunks setzte den Kursen ein Ende. Von denrund 1‘300 Kursteilnehmern wurde die Schule schelmisch und gleichzeitiganerkennend „Colombo-Universität“ genannt. Viktor Colombo darf heute nochstolz sein, denn rund 1‘000 Personen haben die Prüfungenabgelegt und120 Absolventen wurden Berufsfunker und –funkerinnen.

Es war kein lukrativesUnterfangen aber die Lehrkräfte der Schule geniessen noch heute dieGenugtuung, vielen Teilnehmern zum beruflichen wie auch privaten Erfolgverholfen zu haben. Als Anerkennung hat das schweiz. Seeschifffahrtsamt derSchule erstmalig aus dem Legat des verstorbenen Direktors Dr. H. Duttwylereinen Preis zugesprochen und die Reederei Suisse-Atlantique in Lausanne hatden Aufbau der Schule durch materielle und finanzielle Zuwendungenunterstützt. Hilfe zum Erfahrungsaustausch erhielt Viktor Colombo insbesonderevon der Seefahrt-Schule Bremen, Direktor Berger. Mit der Verleihung derEhrenmitgliedschaften der Union der schweizerischen Funkamateure(USKA), der Sektion Bern der USKA und des Funk-Clubs Sensetalwurde die Ausbildungstätigkeit und Mitarbeit auch persönlich gewürdigt.

In der Familie und im Leben auf Vorwärtskurs

Viktor Colombo heiratete 1961 Mariette Rochat und sie bekamen 2 Kinder, André und Ariane. 1965 meldete er sich am Abend-Technikum Bern an, das er 1969 alsIngenieur HTL Elektrotechnik abschloss.

Da er keinen einschlägigen technischen Berufausübte, was eigentlich für den Besuch des Abend-Technikums Vorbedingunggewesen wäre, wurde ihm nach bestandenem Vordiplom auf Antrag desVizedirektor des Abend-Technikums, Herrn G. Riesen, der Bau der zweitenFernseh-Umsetzer-Kette übertragen. Auf Druck der Bergbevölkerung für einzweites Fernsehprogramm hatten die PTT dem Bundesrat vorschnell versprochen,innert zwei Jahren im Berggebiet 48 Umsetzerstationen in Betrieb zu setzen:es gab aber weder eine Frequenzplanung, noch bestand ein Entscheid über dieBeschaffung der Umsetzer und der Antennenanlagen.

Die Terminplanung wurde bei allen Linieninstanzenals kaum durchführbar beurteilt und deswegen haben der Direktor derForschungsabteilung und der Direktor B. Delaloye, ohne sein Wissen, eineWette über eine Kiste Wein abgeschlossen. Der Abschluss erfolgte abertermingerecht und als Anerkennung und Dankeschön hat Herr Delaloye ihn undseine Frau Mariette zu einem Wochenende ins Wallis eingeladen.

Neue Berufsausrichtung

Der Projekterfolg und das Technikum-Diplomverhalfen ihm in der Folge zur Wahl zum administrativen Adjunkten desDirektors, Herr W. Klein, der Forschungs-Abteilung (Personalbestand ca.270Mitarbeiter) wobei ihm im Laufe der Zeit das Inventar-, Rechnungs- undPersonalwesen, die Schreibdienste, das Bestellwesen und dieausserordentlichen Materialbeschaffungen, die Bibliothek und dasKonstruktionsbüro übertragen wurden.

Ein gutes Einvernehmen bestand schon vor seinemEinsatz bei der Forschungs- und Versuchsabteilung, insbesonderemit Herrn Dr.Künzler, Stellvertreter des Direktorsund Dr. KurtVögtli durch die Mitarbeit in der Instruktion im militärischen ABC-Dienst fürdie 19 Betriebskompagnien der PTT. Die guten Beziehungen ergaben sichunmittelbar auch mit den Chefs der Unter-AbteilungenChemie/Physik, drahtgebundene und drahtlose Technik.

Als «Bauherr» unterwegs

Als Sonderauftrag im Sinne eines Bauherrn hatte erden Innenausbau des neu erstellten Hochhauses mit 17 Stockwerken am Stadtrandzu Ostermundigen zu organisieren. Das Gebäude ist allen Bernerinnen undBernern wohlbekannt, überragt es doch mit dem grossen Schriftzug «Swisscom»(vormals natürlich «Telecom PTT») und den vielen Satelliten- undRichtfunkanalgen auf dem Dach weite Teile von Bern und ist von der Autobahnher immer gut sichtbar. Die gute Zusammenarbeit mit den Architekten und denPTT-internen Diensten war erspriesslich und erfreulich zugleich. Die dadurcherworbenen allgemeinen Kenntnisse haben es ihm später erlaubt, Besucher durchdie Abteilung mit ihren vielfältigen Aufgabengebieten zu führen, was zuvielen interessanten Kontakten auch ausserhalb der PTT-Betriebe führte.

1965 konnte Viktor Colombo dank den geltendenBestimmungen und der beiden Kinder, insbesondere dem Hinweis eines Freundes,einen Baukredit des Bundes beantragen und in Neuenegg, ca. 12km westlichBern, ein einfaches Einfamilienhaus bauen. Das West-Ost gerichtete Tal derSense hatte praktisch keinen Fernsehempfang. Die Anträge des örtlichenRadiohändlers für einen Umsetzer blieben erfolglos. Als gleichzeitig der Baueiner Telefonleitung zur nördlich gelegenen Anhöhe Landstuhl anstand, ergriffer die Gelegenheit, um gleichzeitig ein Koaxialkabel mit zu verlegen und aufder Anhöhe eine Fernseh- und Radio-Empfangsstation zu bauen.
Ein aussergewöhnliches Hobby: ein Fernseh-Kabelnetz

Die Empfangssignale wurden mit Hilfe von neuentwickelten Breitband-Röhrenverstärkern der Firma Siemens über 700m bis zumDorf weitergeleitet. Er erhielt die erste Konzession für die Signalverteilungzur Versorgung unabhängiger Liegenschaften in Agglomerationen in der Schweiz.Vieles musste selbst erprobt werden. Erfahrung hatte noch niemand wirklich.Aber gerade das machte den besonderen Reiz dieses Unterfangens aus. In Neuenegg wurden weitere Wohnbauten errichtet und die Architekten ersuchtenum den Weiterausbau des Kabelnetzes. Besonderen Dank für den Ausbau desKabelverteilnetzes kommt auch einerseits der Lieferfirma Siemens zu,vertreten durch Herr Iten in Bern, die mit der Erstlieferung der Verstärkerebenfalls etliche Probleme zu lösen hatte und andererseits dem damaligenGemeindepräsidenten Herr Herren, der für den erforderlichen Kredit bei derBank Laupen für den Weiterausbau des Kabelnetzes Neuenegg besorgt war. Sobaute er in der Freizeit step-by-step das Netz Neuenegg, das nach 20 Jahrenschliesslich rund 1000 Wohnungen mit Fernseh-Programmen der Schweiz,Deutschland und Frankreich versorgte.

Verständlicherweise musste er für den Unterhaltein Fernsehgeschäft beauftragen, weil er seiner beruflichen Arbeitverpflichtet war. Es war die Firma E. Muster in Flamatt, die in der Folge aufGrund der erworbenen Kenntnisse beim Netz Neuenegg ebenfalls begann dieAgglomeration Flamatt, auf der Freiburger Seite, zu erschliessen.

Herr Muster hat später dem Vorschlag zurErrichtung einer grösseren gemeinsamen Empfangsstation zugestimmt, mit derZielsetzung dass die Grundkosten gesenkt werden konnten.

Den Zusammenbau des Materials zweier nicht mehrbenötigter Gittermasten der PTT war einsame Handarbeit: abends bis spät indie Nacht. Mit der Taschenlampe. Manchmal musste Mariette helfen, Schraubeneinzudrehen, während er die Querstangen hielt. Aufgerichtet wurden dieMastsegmente mit einem Pneukran. Als Fundament diente das 4x6m grosseGebäude, das nach seinen Vorgaben südlich von Flamatt bei Geretsried erstelltwurde. Die Firma E. Muster kaufte einen Kettenbagger und erstellte dieKabelzuleitungen von Geretsried bis Flamatt und Neuenegg.

Mit Erfindergeist voran

Die Anzahl der angebotenen Fernsehprogramme nahmweiter zu und eine Verteilung der Signale war nur noch durch die Belegung vonNachbarkanälen möglich, was die PTT aus Rücksicht auf die ungenügendenTrennmöglichkeiten der billigen TV-Empfänger verboten hatte. Er setzte jedochmit Hilfe von eigenentwickelten Filtern den Tonträger ab, setzte dieerforderlichen Kanal-Verstärker mit teils käuflichem Material selbst zusammen,wiederum in der Freizeit an Wochenenden und in den Ferien, und so konnte er1971 erstmals, mindestens in Europa, die Verteilung von 18 Fernsehkanälen für Privatwohnungen in Streusiedlungen demonstrieren.Daraufhin haben die PTT das Verbot zur Nachbarkanalbelegung aufgehoben undmit einer Weisung an die Kreisdirektionen die Modifikation bei den Sendernangeordnet.

Der Radio- und TV-Händler im Stöckli

Der ortsansässige Radiohändler, Herr R.Gerber, anerbot Viktor Colombo eines Tages überraschend sein Haus, einStöckli aus dem Jahre 1838, zu kaufen. Auch wünschte er sich, dass seinGeschäft weitergeführt werden sollte. Wohl war der Preis verlockend, aber derUmbau und die Wiederherstellung der Bausubstanz sehr aufwendig. Zu Hilfe kamHans Muster, im Nachbarhaus zum Stöckli, ihm schon lange als ehemaligeradio-Schweiz-Mitarbeiter bekannt, mit der Bereitschaft einer aktivenUnterstützung für das Fernseh- und Radiogeschäft. Sein Schwiegervater,Herr Tschannen, hat handwerkliche Hilfe zum Umbau angeboten. Es war einebefriedigendeAufgabe, als „Hobbyarchitekt“ die Planung und Baueingabeauszuführen und als „Hobby-Bauherr“ die Bauarbeiten zu initialisieren und zuüberwachen. Erneut galt es, an Wochenenden auch selbst Hand anzulegen.

Das Radiogeschäft im Parterre bestand während 2Jahren bis Viktor Colombo feststellen musste, dass z. B. die Firma Eschenmoserdank ihrer Grosseinkäufe die Geräte zum gleichen Preis verkaufen konnte, wie ersie einkaufen musste. Das war das Ende des damaligen Radio- und TV-Geschäftes„CM-Elektronik AG“, das zudem den Unterhalt des Kabelverteilnetzes und derEmpfangsanlage mit drei Mitarbeitern sicherstellte.

Heute ist die Liegenschaft ein ansehnliches 4-Familienhaus, das von seinem Sohn übernommen wurde.

Die ausserordentliche berufliche Belastung zwang ihnschliesslich im Jahre 1990 zum Verkauf des Kabel-Verteilnetzes.

Neue Wege mit den Kommunikations-Modellgemeinden

Im Vorfeld der Landesausstellung 1991 diskutiertedie Generaldirektion PTT, wie man sich als Dienstleistungsinstitution wirksampräsentieren könne. Auf Direktionsebene war man sich nicht einig undkonkrete Aktivitäten waren nicht auszumachen, bis der Pressechef, Herr R.Neun, vorschlug, einen gesamtschweizerischen Wettbewerb unter den Gemeindenzu lancieren, mit dem Ziel, dass die Gewinner die Kommunikations-Modelle derZukunft erforschen dürften. Unterstützt von den PTT-Betrieben. Weil man sichder Sache nicht im Klaren war und weil das Monopol keinesfalls tangiertwerden durfte, wurde kein Kredit gesprochen. Erst kurz vor der bereitseinberufenenPressekonferenz wurde festgestellt, dass man noch keinenProjektleiter ernannt hatte. Der Generaldirektor, Herr R. Trachsel, hatViktor Colombo - gewissermassen in letzter Minute - darum gebeten, dieseAufgabe zu übernehmen. Die Problematik der Realisierung neuerKommunikationsdienste war Viktor Colombo bewusst, gab es doch innerhalb derGeneraldirektion und den 17 Kreistelefon-Direktionen fest zugeordneteZuständigkeiten und Kompetenzen. Dazu gesellte sich die politische Brisanz. Doch konnte er aus naheliegenden Gründen nicht ablehnen.

Die vorherrschende Verunsicherung über die Realisierbarkeit des Projektes bewog die PTT-Führungzudem, kurzfristig nach einer Unterstützung durch eine Trägerschaft, gebildetaus Politik, Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft, zu suchen. Den Vorsitz der Trägerschaft übernahm Nationalrat Ernst Mühlemann und er beantragte beim Bundesrat einen Projektkredit über 144 Mio. Franken, wovon dieKommunikations-Modellgemeinden schliesslich nur 86 Mio. brauchten. Und danngab es da noch den internen Druck: Die PTT hatte mit dem ersten Projekt derDigitalisierung des Fernmeldenetzes (IFS, Integriertes Fernmeldesystem)keinen Erfolg gehabt und daher sah die Presse ganz genau hin, wenn dieTelecom PTT Zukunftsprojekte lancierte. Das Projekt hatte einen eigenenKommunikationsverantwortlichen, Herr G. Giebel, der sich sehr erfolgreich fürdie breite öffentliche Positionierung und Anerkennung derKommunikations-Modellgemeinden einsetzte.

Mit 12 Gemeinden ans Ziel

Gesamtschweizerisch wurden 12 Gemeindenausgewählt, die 600 Ideen eingereicht hatten. Von 150 relevanten Ideen wurden86 umgesetzt. Was heute als „neueste, digitale Zeiterscheinung“ gepriesenwird, hatten viele der Kommunikations-Modellgemeinden schon getestet:Tele-Medizin, multifunktionale Chipkarten, kontaktfreie Eintritts- und Billetsysteme,Reservationssysteme, Frühwarnsysteme, nationale Lehrstellenbörse,Grossdatenbanken, Multimediaversuche, Glasfasernetze, elektronischeAbstimmungssoftware und vieles andere mehr. Das Projekt „Kommunikations-Modellgemeinden der Schweiz“ (KMG) dauerte 5 Jahre. DieLandesausstellung 1991 zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft wurdeabgesagt, nicht aber das Grossprojekt KMG. Die Koordination undZusammenarbeit mit den internen Kompetenzträgern, des ersten und drittenDepartementes der PTT, der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, derTrägerschaft und den Medien war oft ein fast kaum zu realisierendesUnterfangen. Das Projekt war aber einmalig, brisant und zukunftweisend. DieErfahrungen und Einblicke in mannigfaltige politische, gesellschaftliche undbetriebliche Abläufe möchte Viktor Colombo, auch rückblickend, nicht missen.

Nach dem Projektabschluss 1993 wurde er von HerrW. Heutschi, auch bekannt als «Mister Natel» spontan für das Marketing desNatels und der Pager engagiert. Die Mitarbeiter dieser Sektion waren bereitsalteingesessen, was zu Meinungsdifferenzen führte, weil Marketingfälschlicherweise immer nur als Werbung verstanden wurde. Die Zusammenarbeitmit Herrn Heutschi war jedoch persönlich positiv und konstruktiv. Weil diesermit unorthodoxen Massnahmen aussergewöhnliche Erfolge vorzeigen konnte, bliebdiese Zusammenarbeit konstruktiv und in besonderer Erinnerung.

Die Pensionierung muss warten

Eigentlich wollte Viktor Colombo das Angebot umvorzeitige Pensionierung mit 62 Jahren annehmen, doch hat ihn Herr Heutschi noch am Tag des offiziellen Abschieds um eine weitere Mitarbeit zur Modernisierung und Kostensenkung bei der Küstenfunkstelle Bern-Radio gebeten.Zurück zu den Anfängen! könnte man sagen. Und natürlich nahm er dieHerausforderung an: für wenige Verbindungen pro Tag waren über 30Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestellt. Auch hier keine Kredite fürNeuerungen, denn die einzig sinnvolle Möglichkeit war eineVollautomatisierung der Funkverbindungen, was von den Funk-Operateuren ausAngst des Arbeitsplatzverlustes aber stark bekämpft wurde. Zudemmussten die Räumlichkeiten auf der Empfangsstation Riedern, diebetrieblichen und technischen Abläufe sowie die Sendestation in Prangins neuen Anforderungen angepasst werden.

Es geschah das Unfassbare: Die Anlagen Bern-Radioin Riedern und Prangins waren schliesslich dennoch betriebsbereit und aufeinem Frachtschiff war bereits eine Funkanlage für die automatischeKurzwellen-Meldungsvermittlung eingebaut und geprüft, da erliess der neugewählte CEO die Weisung, den Betrieb aus Gründen eines ungenügendenfinanziellen Ertrages einzustellen.

All die wertvollen Anlageteile wurden aufWeisung schliesslich zum symbolischen Betrag von Fr. 1 verkauft. Da nie Werbung und Kundenkontakte gepflegt wurden, hätte ein kostendeckender Betriebrund 1 Mio Franken gekostet, was für Viktor Colombo unerschwinglich und schliesslich auch unrealistisch war.

Immerhin hat er eine eigene, reduzierteaber vollwertige Anlage auf der Basis einer Sende-Amateur-Anlage mit demRufzeichen HB9XQ in Betrieb genommen, die heute noch funktioniert und Expeditionenund Sendeamateuren des In- und Auslandes, zu Land und zur See, kostenlos fürMails über Kurzwellenfunk aufs Telefonnetz, später Internet, zur Verfügungsteht.

Die Käufer von Bern-Riedern und Prangins waren schliesslich erwartungsgemäss nicht in der Lage den Betrieb aufrecht zu erhalten.

«Maritime Communications» der Swisscom

Herr M. Eichmann, Stabchef der wirtschaftlichenLandesversorgung (BWL), bei der Viktor Colombo 12 Jahre als Sektionschef fürdie Information in Milizfunktion mitarbeitete, hat es nach seinerPensionierung verdankenswerterweise übernommen, sich für einen Neuaufbau derKurzwellenstation in Verbindung mit dem inzwischen zur Verfügung stehendenInternet einzusetzen. Weildie Landesversorgung in Krisenzeiten durcheine eigene weltweite See-Schifffahrt gesichert werden muss, bürgt der Bundfür Kredite für schweizerische Frachtschiffe. Zuständig ist dafür Herr M.Eichmann. Dies begründet die Wichtigkeit von politisch und technischunabhängigen direkten Kommunikations-Verbindungen zu den Frachtschiffen.

So wurde letztlich die gesamt Anlage von derSWISSCOM neuerstellt und mit dem Namen «Maritime Communications» in Betriebgenommen. Somit wurde die ursprüngliche Zielsetzung doch noch realisiert.

Ein Leben für die Kommunikation

Neben all diesen beruflichen Aufgaben stand nichtsehr viel Freizeit zur Verfügung. Viktor Colombo fragt sich heute oft, woher erdie erforderliche Zeit hernehmen konnte. Fast jeder Tag hatte 14-16Arbeitsstunden, oft ohne Mittagessen, was ihm damals aber kaum Mühebereitete. Auch die Ferien wurden weitgehend durch Arbeit belegt.

Seine Frau war mit diesen vielen Einsätzen nicht immer einverstanden. Er versuchte zwischen den verschiedenen Aufgaben zu jonglieren, was ihm manchmal besser, manchmal schlechter gelang: die Beidenunternahmen zusammen einige weltweite Reisen und mit den Kindern Reisen imWohnwagen durch Deutschland, Holland und Frankreich. Im Sommer stand derWohnwagen im Camping Avenches-Port, wo für Segelschiffe im Hafen auch Liegeplätzezur Verfügung standen.

Die eigene kleine Segelyacht auf dem Murten-See, eineFFA-20 (6m und 20m2 Tuch der Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein), wurde nichtsehr oft benützt. Er machte noch den B-Schein für einige Segelturns auf demMeer. Und einige Male wahr die Familie in einem Hausboot auf FrankreichsKanälen unterwegs. Die Mitgliedschaft beim Segelclub Murten-See und beim Cruising-Clubder Schweiz musste er allerdings aus zeitlichen Gründen aufkünden. AlsGründungsmitglied des Segelclubs „Esprit du Large“ der Generaldirektion PTTakzeptierte er für einige Jahre das Amt des Club-Präsidenten.

Immer noch in Fahrt

Ein wichtiger Schritt nach derPensionierung war für ihn auch der Einstieg in die Computerwelt. Erkonnte keine Arbeiten mehr delegieren, also packte er selber wiederan.Damitist er in spezifischen Bereichenin der Lage,Computer selbst nachzurüsten oder neu zu konfigurieren.

Dies ermöglichte es ihm,die Funkstation HB9XQ auf dem Landstuhl bei Neuenegg mit neuen Dienstleistungen für Sendeamateure auszurüsten. Zudem hatte er dieSende-Empfangs-Anlagen und die Fernsteuerung technisch so aufgebessert, dass sieüber das Internet von ihm selbst und der Mithilfe von Freunden kostengünstigferngewartet werden können. Für die Benützung der Basis-Funkanlage werdenkeine Gebühren erhoben.

Die Hoffnung auf mehr Freizeit nach der offiziellen Pensionierung hat sich nicht völlig erfüllt. Aber etwas hat sichgebessert: Mariette und Viktor gehen nun regelmässig auf Reisen und er ist etwasruhiger, aber nicht geduldiger geworden.