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Erinnerungen eines Kurs-Absolventen an die Colombo-Universität

Die „Colombo-Universität“ schloss im Jahre 1985 nach 25 Jahren die Tore.

Schon im Frühling 1985 fand die offizielle Schlüsselübergabe an die „Radio Schweiz AG“ statt welche die renommierte Schule weiterführt.

Dies ist der Zeitpunkt sich an die eigene Schulzeit in dieser Uni zu erinnern.

Als folgsamer und guter Schüler - das glaube ich wenigstens, denn ich habe alle Aufgaben mit viel Mühe gemacht… - habe Ich mir so viele Notizen gemacht, dass ich diese im Nachhinein kaum verarbeiten konnte. Bald habe ich festgestellt, dass vor allem der Technikkurs von Viktor Colombo (HB9MF) gespickt war mit ganz besonderen Rosinen die der Verständlichkeit der Materie dienen sollten. Viele ehemalige Schüler haben diese nur noch grob in Erinnerung. Diese, im Wechsel ‚ hart, ironisch, lachend und auch mit Wein- und Bierwerten verbundenen „Erläuterungen“ haben den nüchternen Stoff der Technikkurse in willkommener Weise gelockert und uns das Sitzen auf den harten Klappstühlen erleichtert.

Nachfolgend eine Auswahl dieser "Colombo-Sprüche"

Zur Verteilung der Ladung

«Wenn Sie Mühe in der Elektronik haben, müssen Sie sich nur vorstellen, Sie wären ein Elektron und gehen als Gast in ein Berner Restaurant. Das Restaurant hat 10 Tische mit je 4 Stühlen. Es kommen noch nacheinander 9 weitere „Elektrone“ als Gäste (alles Berner). Frage: Wie viele Tische sind noch frei? Antwort: keiner. Sehen Sie, so etwa verteilt sich die Ladung…           

Widerstand

„Wenn eine zweispurige Autobahn den Verkehr nicht schlucken kann, baut man eben eine 3- oder wie im Ausland 4- oder 5-spurige Autobahn. So macht man es gleich mit den Leitern für den Elektronenstrom. Wenn der Heimatschutz der Ausbau der Autobahn ablehnt, müssen Sie halt mit dem Lokalstrassennetz auskommen. Das gibt dann die bereits bekannten Maschen und Knoten. Anstatt Strassen, denken Sie einfach Drähte und Widerstände.“

Hausaufgaben

„Hausaufgaben sind keine Widerstände in Serie zum Kurs, sondern eine Parallelschaltung zur Leitwerterhöhung. Je mehr sie also davon kriegen, je besser muss demnach der Leitwert sein.“           

Zum ohmschen Gesetz

„Die Meisten habe immer noch Mühe zwischen Leistung und Arbeit zu unterscheiden. Leistungen werden nur beim Sport und den Stars honoriert. Wir anderen Sterblichen werden für die Arbeit bezahlt. Unsere Arbeit ist die Summe der erbrachten Leistungen. Pausen berücksichtigt.“

oder

„Auch die Juristen hier im Kurs müssen umdenken. Das ohmsche Gesetz lässt sich weder biegen noch umgehen…           

Antennen

„Lassen Sie sich über Antennen nichts vormachen. Das blödeste Gebilde, z.B. eine Bettfeder oder einen Regenschirm können Sie mit Matchbox anpassen. Trotz einem SWR von 1 haben Sie aber noch lange keine gute Antenne.“

Funkdisziplin

“Alle meine Funkamateur -Freunde würden mich hassen, wenn ich solche ausbilden würde. die sich am „Knochen“ (Mikrophone) selbst am liebsten hören. Denen rate ich, die Antenne in einem Faradaykäfig zu installieren...“           

Prüfung

„Niemand verlangt von euch an der Prüfung eine Doktorarbeit und den Nüsslisalat müsst Ihr auch nicht neu erfinden. Vergesst nicht, Wissen ist erst der Anfang des Verstehens. Von der Technik etwas verstehen solltet Ihr schon, es gibt genügend Leute die nichts verstehen von dem, was sie sagen und tun…“

Dazu eine kleine Einschaltung:

Im Vorwort zu seinem im Jahre 1921 erschienen Buch „RADIO-Telegraphie und Telephonie in der Schweiz“ schreibt Prof. Dr. Hans Zickendraht (UNI Basel) u.a. „… denn richtiges und tiefes (technisches) Verständnis kann nur auf Grund von Studien gewonnen werden, die einzig die Hochschule zu bieten vermag. Immerhin ist überall wissenschaftliche Korrektheit angestrebt...“ (Wer's glaubt - Hi !)

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Nebst diesen “technischen“ Erläuterungen“ gab es auch noch „Nebenfächer“. (wenigsten für mich waren es solche...). Nebenfächer darum, weil man z.B. die Reglemente auswendig lernen kann. Diese noch trockenere Materie zu dozieren, war wohl eine Geduldsprobe für Herrn Brantschen. Vom „doo di doo“ gar nicht zu sprechen.

Was sich jedoch manche „Profi- Schule“ zu eigen machen sollte, ist der Mathematik-Blitz Kurs. Mir hat die öffentliche Schule seinerzeit in einem Jahr nicht soviel eingetrichtert, wie Herr Schlaubiz (HB9BSR) in sechs Wochen.

Die ganze Schule war für mich, der ich auf einem ganz anderen Fachgebiet tätig bin, nicht leicht. Mich hat die Elektronik am meisten beschäftigt. So erging es sicher noch vielen der heute aktiven Sendeamateure. Im Nachhinein, und mit dem Fähigkeitsausweis in der Tasche, sind die Kursstunden, die mit fast militärischer Disziplin durchgezogen wurden, wie auch die Stunden für die Hausaufgaben, für die meine XYL nur ein Kopfschütteln übrig hatte, rasch vergessen. Für uns alle, die voll im Beruf engagiert sind, gibt es kaum einen besseren Weg zum Funkamateur-Ausweis zu kommen, als über einen doch recht hart geführten Lehrgang mit nachhaltigen Lehrmeistern, die trotz der „Sprüche“ immer und immer wieder für unsere Fragen Zeit hatten…

Mit bleibt nebst dem vielen Erinnerungen, Bier und Wein-Wetten noch der Dank an alle Lehrer im Vorder- und im Hintergrund der „Colombo-Universität“ in Bern.

Albert Krienbühl, HB9DAA

Amüsante und besinnliche Erinnerungen

Immer wieder wurde in den Probeprüfungen die Frage: Was wird bei einem Stahlakkumulator nachgefüllt? falsch beantwortet. Da versprach Viktor der Klasse ein Nachessen zu bezahlen, wenn alle diese Frage beim nächsten Mal richtig beantworten würden und damit dies auch klar in Erinnerung bleibe, stieg er im grossen Auditorium auf die Tischreihen und "drehte eine Runde". Dieser Gag blieb denn auch in allen folgenden Jahren präsent und immer wieder wollten die Schüler diesen Auftritt ihres Lehrers selbst live erleben. Das Nachtessen musste er aber damals nicht bezahlen weil die Schüler vergessen hatten dies einem zur Zeit abwesenden Schüler ebenfalls zu sagen und prompt gab dieser wiederum die falsche Antwort.

Ein Schüler brachte es bei den Probeprüfungen nicht einmal auf einen 3er. Der wohlgemeinte Rat, wenn er keine Zeit zum Studium habe, doch das Schulgeld zu sparen, antwortete er treuherzig: „Es ist jeweils so interessant Ihnen zuzuhören, ich möchte gerne noch bleiben. Vielleicht mache ich die Prüfung einmal in einem späteren Jahr“.

Ein Schüler hatte die Schiffsfunker-Prüfung mit Erfolg bestanden. Eine Reederei suchte gerade einen Funker. Seine Antwort war jedoch: „Soeben habe ich vom Arbeitgeber für das gute Prüfungsergebnis einen interessanteren Job bekommen und bin jetzt auch besser bezahlt. Ich verzichte darum zur See zu fahren“.